Sportwissenschaftler Alexander Jäckel erklärt im Fitnessstudio ERL-Mitarbeit ...
Sportwissenschaftler Alexander Jäckel erklärt im Fitnessstudio ERL-Mitarbeiterin Anna Lena Mader die nächste ÜbungFoto-Quelle: Thomas Mayer / ERL Immobiliengruppe

Gut fürs Herz

Betriebssport. Das weckt Erinnerungen an muffige Turnhallen, zähes Aufwärmen und überharte Zweikämpfe. Was aber, wenn Sport mit den Kollegen mehr wäre, als auf zwei hastig an die Wand gelehnte Matten zu bolzen? Wenn zum Beispiel ein Sportwissenschaftler wie Alexander Jäckel mit modernster Technik nur zwei Treppen vom Schreibtisch entfernt den Mitarbeitern zeigte, wieviel Spaß Bewegung, Gesundheit und Teamgeist mit sich bringen? Bei ERL haben wir dafür sogar schon einen Namen: „feel active“.

Sebastian Kneipp trug sicher keine iWatch. Trotzdem war der „Wasserdoktor“ jemand, der bereits im 19. Jahrhundert die Zukunft fest im Blick hatte. „Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen“, zitiert Alexander Jäckel an einem Nachmittag im August 2020 den Naturheilkundler anerkennend. Sein Wirkungskreis, das ERL-Fitnessstudio, erstreckt sich auf 400 Quadratmeter im lichten Untergeschoss der Deggendorfer Firmenzentrale. Eisenkammer trifft es nicht, Wohlfühl-Arena schon eher.

Doch um Show-Effekte geht es hier nicht, um Mucki-Vergleiche schon gar nicht. „Für uns als mittelständischer Familienbetrieb wird der Punkt Gesundheitsförderung immer wichtiger“, betont Geschäftsführer Alois Erl jun. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist unser wichtigstes Gut und ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Teilhabe am Wirtschaftsleben.“

Alexander Jäckel hat an der TH Deggendorf Angewandte Sportwissenschaft mit S ...
Alexander Jäckel hat an der TH Deggendorf Angewandte Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Prävention und Gesundheit studiertFoto-Quelle: Thomas Mayer / ERL Immobiliengruppe

Für Coach Alex, wie Jäckel gerufen wird, ist das eine echte Herzenssache. Und Betriebssport 4.0 findet der selbstständige Trainer sein Wirken ganz gut umrissen. „Durch die App liegt der Sportplan digitalisiert vor“, erklärt der 24-Jährige. App? Jäckel nickt, während er auf einem Gymnastikball wippt. Vor allem die darin enthaltenen 3D-Animationen begeistern ihn, weil sie Fehler in der Ausführung, wenn er gerade mal nicht danebensteht, vorbeugen. „Außerdem liefert die App Auswertungen und steigert durch einen progressiven Algorithmus automatisch die Intensität der Übungen.“ Aus trainingswissenschaftlicher Sicht sei die App mit rund 4000 verschiedenen Übungen optimal. Gerade wenn die ERL-Mitarbeiter zu Hause trainieren, weil das Fitnessstudio wegen staatlicher Corona-Vorgaben vorübergehend schließen muss.

Vom Großen zum Kleinen

Doch zunächst bekommt jeder eine Einweisung und einen individuellen Trainingsplan. In der App werden dann Belastungs- und Pausenzeiten angezeigt, also wann, wo, was in welcher Reihenfolge zu tun ist. „Wir haben für jede Muskelgruppe Geräte“, berichtet Jäckel. Ganz wichtig: von den großen zu den kleinen Muskeln trainieren. Im Kursraum nebenan geht’s vor allem mittags etwas ruhiger zu, zum Beispiel beim Yoga oder Stretching. „Am Abend kommen wir dann mehr ins Schwitzen und bieten Functional- und Fitnesskurse an, aber auch Rückenschule“, so der Coach. „Wie sitze ich richtig? Das ist ein großes Thema.“

Neben dem Fitnessstudio gibt es im "ERL Dahoam" noch einen Übungsraum - zum  ...
Neben dem Fitnessstudio gibt es im "ERL Dahoam" noch einen Übungsraum - zum Beispiel für Yoga oder entspanntes StretchingFoto-Quelle: Thomas Mayer / ERL Immobiliengruppe

Das Hauptproblem liegt in der Inaktivität: mit dem Auto zur Arbeit, dann stundenlanges Sitzen am Schreibtisch oder im Meeting, später lange Fernsehabende auf der Couch. „Das ist schlecht“, meint Jäckel. Denn die Muskeln verkümmern. „Es herrscht eklatanter Bewegungsmangel.“ Der wiederum hat seinen Preis. Es fängt oft harmlos mit leichten Verspannungen an, steigert sich langsam zu Rückenschmerzen und mündet irgendwann in Übergewicht und Haltungsschäden. Auch das Risiko von Krebs, Schlaganfall und Diabetes steigt dramatisch.

Doch soweit soll es erst gar nicht kommen. „Wir haben hier wirklich gute Möglichkeiten, um effektiv und qualitativ hochwertig zu arbeiten“, erklärt Jäckel nicht ohne Stolz. „Wir haben hier eine sehr gute Ausstattung kombiniert mit digitalen Elementen aus der App.“

Decken-Effekt vorbeugen

Digitalisierung im Sport gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bei den Profis sowieso, aber auch im Freizeitbereich. „Gerade in der Trainingsplanung hat man durch digitale Hilfsmittel eine gute, weil leichte Führung mit geringem Zeitaufwand.“ Davon profitieren nicht nur die Büromitarbeiter bei ERL, sondern auch Maurer, Zimmerer, Installateure und all jene, die auf der Baustelle arbeiten. Statt richtig sitzen lernen, gibt es für sie Kurse: „Wie hebe ich richtig?“

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Gerade für sie sei es wichtig, bestimmte Muskelgruppen aufzutrainieren. „Man hebt in der Praxis oft nicht richtig, also rückenschonend, weil es vielleicht gerade eilt“, weiß Jäckel. Ziel ist es, Grund-, Rücken- und Beinmuskulatur zu stärken, um den Körper besser auf Belastungen vorzubereiten. „Wenn nämlich schützende Muskulatur an Wirbelsäule und Gelenken vorhanden ist, ist die schädigende Belastung geringer.“

Wohlfühlen beim Sport

Nach sechs Wochen erstellt der Coach einen neuen Trainingsplan, weil sich nach diesem Zeitraum der Muskel an den Reiz gewöhnt hat und kaum noch ein großer Fortschritt möglich ist, wie Jäckel erklärt. Der Fachausdruck lautet: Decken-Effekt. „Das wollen wir vermeiden.“ Außerdem soll erst gar keine Eintönigkeit oder gar Langeweile aufkommen. „Wir wollen den ERL-Mitarbeitern ja was bieten.“ Die App erinnert Jäckel, wann es Zeit ist für den neuen Plan.

Coach Alex hat mit einer App alles im Griff - vom Trainings- bis zum Ernähru ...
Coach Alex hat mit einer App alles im Griff - vom Trainings- bis zum ErnährungsplanFoto-Quelle: Thomas Mayer / ERL Immobiliengruppe

Das Highlight aber sei, dass sich in diesem Fitnessstudio jeder absolut wohlfühle. Aufgrund des privaten Charakters herrsche fast schon familiäre Atmosphäre. „Auch der Wir-Gedanke, das Gemeinschaftsgefühl, wird so indirekt gestärkt.“

Die Frage aber bleibt: Ist das nun Luxus oder Notwendigkeit?

„Von beiden etwas“, antwortet Alexander Jäckel. Ein Fitnessstudio im Haus sei natürlich Luxus. Gleichzeitig gebe es aber auch eine Notwendigkeit, zumal die Digitalisierung auch ihre Schattenseiten habe. „Man sitzt zu viel, bewegt sich zu wenig, steuert alles per Mausklick.“ Der Sportwissenschaftler rechnet vor: Bewegungsmangel plus hyperkalorische sprich kohlenhydratreiche Ernährung ist gleich Gewichtszunahme. Das kardiovaskuläre System leidet, die Herzfrequenz steigt.

20 Herzschläge weniger pro Minute

Das Herz ist der Motor des Lebens. „Wenn man 20 Schläge pro Minute weniger braucht, sind das zehn Millionen Herzschläge im Jahr, die wir uns sparen.“ Für eine offizielle Studie, die auch in seine Bachelor-Arbeit eingeflossen ist, hat Jäckel im vergangenen Jahr 102 Büromitarbeiter von ERL erst „gemessen“, also Körperzusammensetzung und Leistungsfähigkeit bestimmt, dann mit einem Trainingsplan ausgestattet. Wer die vorgegebenen 150 Minuten Sport pro Woche schaffte, baute im Durchschnitt innerhalb von sieben Monaten 1,7 Kilo Muskelmasse auf und senkte seine Herzfrequenz um 15 Schläge pro Minute. Bei einem Teilnehmer waren es sogar 27.

Die Übungen gibt's auch auf dem Tablet - zum Nachmachen oder als Anleitung
Die Übungen gibt's auch auf dem Tablet - zum Nachmachen oder als AnleitungFoto-Quelle: Thomas Mayer / ERL Immobiliengruppe

„Deshalb ist es so wichtig, dreimal die Woche Sport zu treiben.“ Jäckel, der während seines Studiums der Angewandten Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Prävention und Gesundheit an der Technischen Hochschule Deggendorf 60 Sportarten getestet hat, empfiehlt zweimal Kraft-, einmal Ausdauertraining wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren. Noch besser wäre es allerdings, zusätzliche Bewegungspunkte zu sammeln: Treppe statt Lift, Fahrrad statt Auto, kleiner Spaziergang am Abend. „Es gibt nichts Besseres für Körper und Geist, als sich nach der Arbeit zu bewegen.“

Neue Reize setzen

Wem spazieren gehen zu langweilig ist, darf sich gerne der „feel-active“-Laufgruppe anschließen. „Da machen wir Dauerläufe, Intervallläufe, Steigerungsläufe“, fasst Jäckel die vielen Spielarten des Laufens zusammen. Im Studio gibt’s zusätzlich die Möglichkeit, auf dem Band zu laufen, Rad zu fahren oder zu rudern, wenn auch nur auf dem Trockenen. „Der Körper lebt von ständig wechselnden Belastungsreizen – wir müssen auch im Alltag ständig neue Reize setzen.“

Was aber, wenn Alltag Homeoffice bedeutet? Zum Beispiel wegen einer Pandemie. „Speziell im Homeoffice neigt man dazu, selbst nach einer Phase der Aktivität ganz schnell nichts mehr zu machen“, sagt Jäckel. Die Motivation lässt nach. „Deshalb ist ein Plan unerlässlich, um seinen Tag zu strukturieren." Denn sich zu überwinden, sei das größte Problem. Und Bewegung ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für den Geist. Glückshormone werden freigesetzt. „Bewegen wir uns mal zwei Wochen nicht, ist das kein Problem, über Jahre hinweg schon.“ Jäckel warnt: „Irgendwann ist dann die Energie raus, man fühlt sich ausgebrannt und ist anfälliger für Erkrankungen – sowohl physischer als auch psychischer Natur.“

Nie zu spät für Neustart

Wer nun aber die letzten Monate oder gar Jahre um sportliche Betätigung einen großen Bogen gemacht hat, braucht nicht zu verzweifeln und denken: Jetzt ist eh schon alles wurscht. „Für einen Neustart ist es nie zu spät“, versichert Alexander Jäckel. Wenn man gewisse Regeln beachtet. Zum Beispiel erstmal einen Gesundheitscheck machen. Und dann nicht gleich „auf Teufel komm raus“ losrennen. Der Sportwissenschaftler weiß aus Erfahrung, dass gerade Wiedereinsteiger zu viel machen und wollen. Überpacen bringt’s aber nicht. „Denn der Körper braucht Regenerationszeit.“ Erst in der Erholungsphase wird er besser.

Bisschen boxen: Joseph Kuchler zeigt seine Schlagkraft
Bisschen boxen: Joseph Kuchler zeigt seine SchlagkraftFoto-Quelle: Thomas Mayer / ERL Immobiliengruppe

Generell gilt: Sport darf nie zur Belastung werden. Es sollte Spaß machen. Lieber weniger, aber dafür regelmäßig. „Es geht darum, seinen Lebensstil so umzubauen, dass Sport darin seinen festen und dauerhaften Platz hat.“ Also langfristig und langsam den Körper umstellen.

Bloß keine Radikaldiät

Damit einher könnte beispielsweise auch eine Ernährungsumstellung gehen. Aber bloß keine Radikaldiäten. Stichwort: Jojo-Effekt. „Pro Diät nimmt man eineinhalb Kilo zu“, erklärt Jäckel. Mit der App kann jeder ERL-Mitarbeiter seine Ernährung tracken. Hier geht es vor allem darum, Bewusstsein für seine Ernährungsweise zu schaffen. Einem striktem Ernährungsplan zu folgen, hält der 24-Jährige indes für unrealistisch. „Wer schafft das schon?“

Trotzdem gibt es einige Grundregeln. Die oberste lautet: vielseitig essen. Nicht jeden Tag das Gleiche, vor allem Obst und Gemüse. „Am Morgen energiereich, zum Beispiel Haferflocken mit Früchten, mittags ein Mix aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Ballaststoffen und abends eiweißbetont.“ Natürlich wollen die meisten nicht nur immer Wasser trinken. Also: Ist Alkohol erlaubt? „Ja, aber bitte nicht jeden Tag“, warnt Jäckel. Denn mit jedem Glas muss der Körper mehr arbeiten, um zu entgiften. „Das ist Energie, die an anderer Stelle fehlt.“

Energie durch Leidenschaft

Dass Alexander Jäckel vor Energie strotzt, sieht man dem 24-Jährigen an. Und diese Energie und Leidenschaft schwingt auch in seinen Aussagen mit. Bewegung, Gesundheit, Prävention sind seine Themen. Positives Feedback bekommt er oft. Der ein oder andere seiner Schützlinge hat durch Betriebssport 4.0 sogar geschafft, Krankheiten wie Bluthochdruck in den Griff zu bekommen. „Jeder entwickelt hier einen gewissen Ehrgeiz, sportlich leistungsfähiger zu werden und auf seine Gesundheit zu achten“, freut sich der Coach.

Dafür braucht es jedoch auch einen, der sich kümmert, der zum Mitmachen motiviert, der auf die Risiken von zu wenig und die Chancen von mehr Bewegung hinweist. „Ich begleite die Leute, bin für jeden da“, sagt Jäckel. Wenn es denn die aktuelle Corona-Lage gerade zulässt, dreht er im Bürogebäude am Oberen Stadtplatz eine Runde, geht zu seinen Klienten, redet mit ihnen, hört sich auch mal ihre Sorgen an und motiviert sie zum Sport. Ein Fitnessstudio ist das eine, eine App das andere, am Ende sind es aber immer Menschen wie Alexander Jäckel, die Dinge mit Leben füllen.

Christian Böhm
Christian Böhm

hält Pflege für eines der wichtigsten Themen überhaupt, weil sie jeden jederzeit in irgendeiner Form betreffen kann. Immobilien sind für ihn nicht nur Baukörper, sondern Orte der Begegnung. Und was die Zukunft betrifft, so ist Christian hoffnungsloser Optimist. An ERL mag er besonders, dass das Unternehmen voller großartiger Geschichten steckt. Sein Handwerk gelernt hat der gebürtige Niederbayer an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München.