Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen, viele unterschätzen die Kost ...
Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen, viele unterschätzen die KostenFoto-Quelle: Adobe Stock

Was ein Pflegeplatz in Deutschland wirklich kostet – und warum Vorsorge fürs Alter so wichtig ist

Tritt der Pflegefall ein, folgt oftmals eine große Ungewissheit. Denn viele wissen nicht, was jetzt finanziell auf sie zukommt. Nicht nur, dass Betroffene und ihre Angehörigen die Leistungen der Pflegeversicherung überschätzen. Sie unterschätzen auch, was sie selbst im Pflegefall leisten müssen.

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Postbank gehen 43 Prozent der Deutschen davon aus, dass sie für eine vollstationäre Pflege in einem Heim nichts besteuern müssen. Und diejenigen, die wussten, dass sie einen Teil der Kosten übernehmen müssen, unterschätzen ihren Eigenteil erheblich. So glaubten 41 Prozent der Befragten, weniger als 1000 Euro im Monat für einen Pflegeplatz zahlen zu müssen. Doch das ist zu wenig.

Tatsächlich müssen Pflegebedürftige in Deutschland durchschnittlich 2015 Euro zuzahlen, wie der „Spiegel“ unter Berufung auf eine Statistik des Verbands der Ersatzkassen (vdek) berichtet. Das sind 124 Euro mehr als noch Mitte 2019.

Pflegeversicherung deckt Kosten nicht

Das bisherige System stößt an seine Grenzen. Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen festgelegten Betrag als Zuschuss zu den Pflegekosten. 125 Euro sind es bei Pflegestufe 1, in der Pflegestufe 3 gibt es 1262 Euro und in der höchsten Pflegestufe 5 zahlt die Versicherung 2005 Euro.

Nur sind diese Summen in jeder Pflegestufe zu wenig, um die tatsächlichen Kosten zu decken. „Was darüber hinausgeht, ist der sogenannte einrichtungseinheitliche Eigenanteil“, erklärte Verena Querling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im ZDF.

Das ist der „einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE)“

Im Bundesdurchschnitt liegt der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) bei 786 Euro. Der Satz ist, anders als früher, innerhalb einer Einrichtung für die Pflegestufen 2 bis 5 gleich. Hintergrund ist, dass Menschen nicht schlechter gestellt werden, wenn sie in einen höheren Pflegegrad wechseln.

Allerdings gilt der EEE nur für die jeweilige Einrichtung. Zwischen den verschiedenen Pflegeheimen und auch regional kann es zu erheblichen Unterschieden kommen. Über die Höhe der Pflegekosten und den Eigenanteil verhandeln die Pflegekassen mit jedem einzelnen Anbieter im jeweiligen Bundesland.

Weitere pflegeunabhängige Kosten

Zu dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil kommen nun aber noch weitere Kosten. „Einen weiteren Teil machen die pflegeunabhängigen Kosten aus“, so Querling im ZDF. Das sind zum einen die „Hotelkosten“, also die Kosten für Unterbringung, Essen, Zimmerreinigung und sonstigen Service. Aber auch Investitionskosten und je nach Heim und Bundesland auch eine Ausbildungsumlage müssen bezahlt werden. Gleiches gilt für Zusatzleistungen.

Auch diese Kosten variieren von Einrichtung zu Einrichtung, was sich ebenfalls auf den Eigenanteil niederschlägt. Die Unterschiede sind enorm. Am höchsten liegt der Eigenanteil, also alle Kosten zusammengenommen, in Nordrhein-Westfalen. Hier sind im Durchschnitt 2405 Euro fällig. Am niedrigsten liegt er in Sachsen-Anhalt mit 1436 Euro.

Viele können sich den Eigenanteil nicht leisten, ihre Rente ist schlichtweg zu niedrig. Zudem verfügen sie nicht über genug Erspartes. Für sie müssen Angehörigen einspringen. Kinder sind seit Januar jedoch erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 100.000 Euro zum Unterhalt verpflichtet.

Pflegekosten steigen

Auch wenn derzeit politisch um die Zukunft der Pflege gerungen wird, ist doch eines sicher: Die Pflege wird teurer. Umso wichtiger ist es, für das Alter entsprechend vorzusorgen.

Der Kauf eines Pflegeappartements zahlt sich gleich doppelt aus. Denn entweder zieht der Eigentümer bei Bedarf dank des sogenannten bevorzugten Belegungsrechts selbst in eine der Einrichtungen des Betreibers, oder er verwendet die Miete aus der Immobilie, um sich die Pflege anderswo zu finanzieren.

Christian Böhm
Christian Böhm

hält Pflege für eines der wichtigsten Themen überhaupt, weil sie jeden jederzeit in irgendeiner Form betreffen kann. Immobilien sind für ihn nicht nur Baukörper, sondern Orte der Begegnung. Und was die Zukunft betrifft, so ist Christian hoffnungsloser Optimist. An ERL mag er besonders, dass das Unternehmen voller großartiger Geschichten steckt. Sein Handwerk gelernt hat der gebürtige Niederbayer an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München.